Unter dem Namen FSScene Design Network vermarktet FSAddon eine Reihe von kleinen Flugplätzen von Joe Watson, und nun auch eine alte Bekannte: Die Piper Super Cub.
Für den Preis von 11 Dollar und 11 Cents erhält der Käufer die Supercub in vier Aromen: Normale Räder, Bushwheels, Skis und Schwimmer.
Das Flugzeug stammt aus der Werkstatt von Simon Smeiman aus Südafrika. Smeiman? Wer? Er hat schon einige Freewareszenerien für Südafrika gemacht, und ein kleines Fliegerchen Namens Pober Pixie (auf avsim.com erhältlich). Die Supercub ist sein erstes “richtiges” Flugzeug. Ob es unseren Ansprüchen genügt, werden wir nun sehen.
Um ehrlich zu sein, es ist mutig, eine Piper Cub auf den Markt zu werfen. Warum? Es gibt schon eine, diejenige von Aerosoft. Die spielte Anno dazumal zwar in einer höheren Liga, aber jetzt kostet sie gleich viel und Simons Cub bietet keine wirklich neuen Gimmicks. Und es gibt auch eine Freeware Supercub von J. E. Narcizo (auf flightsim.com), die gar nicht übel ist.
Erster Akt: Im Verkaufsbüro
Das Flugzeug ist auf der Internetseite von FSAddon/FDN products für 11.11$ erhältlich. Der Download spült 60 MB Daten auf die Festplatte, in Form einer .exe Datei. Der Doppelklick darauf führt zur bewährten Kaufsoftware von Flight1 (gebt denen mal einen Award dafür). Nach dem Prozedere finden sich 3 .exe-Dateien wieder, für jeden Sim eine, nämlich FS9, FSX Regular und FSX Acceleration.
Hier bespreche ich aber nur diejenige für den FS9/FS2004.
Die Installation selber ist ein Klacks, und los gehts. Erst aber muss ich das Manual suchen, denn der Link auf dem Desktop verweist auf eine nicht existierende Datei. Der Pfad stimmt, aber die pdf-Datei hat einen anderen Namen. Dies dürfte aber bereits behoben sein.
Das Manual ist ordentlich gegliedert und beinhaltet einen kurzen historischen Abriss, Angaben zum Flugzeug und Flugtips sowie Erklärungen zur Bedienung der verschiedenen Funktionen. Ebenfalls findet sich am Schluss ein Beschrieb des “FSScene Design Network”, was es ist und wen es damit ansprechen wollen.
Aber wer nicht gleich kaufen will, kann “Probefliegen”: Auf avsim.com gibt es unter dem Namen cubs3.zip eine Demoversion zum testen. Das ist sehr löblich und eine echte Entscheidungshilfe.
Nun steht sie auf dem Vorfeld, die Super Cub.
Zweiter Akt: Die Inspektion
Diese kleinen Putt-Putt-Flieger sind die wahren Helden der Wildnis von Alaska. Da oben finden sich Cubs in allen Varianten wie Sand am Meer, und es gibt in der Tat keine Ecke der Welt, wo so eine Supercub nicht auch noch landen könnte. Als erklärter Enthusiast von Tandem-Zweisitzern kann ich es natürlich nicht erwarten, die Dinger genau anzuschauen.
Als Backcountryflieger und TrackIR Benützer fliege ich ausschliesslich im VC und lege Wert auf erstklassige Texturen (neben der Flugdynamik), denn nur so stellt sich ein “Verschmelzen” mit einem Flugzeugaddon ein. Der erste Blick auf die Supercub entlockt mir aber kein “Ah” und kein “Oh”, obwohl die Flugzeuge durchaus eine sehr realitätsgenaue Erscheinumg an den Tag legen.
Die Modellierung entspricht einem Durchschnitt. Das schont den Grafikrechner und sorgt für flüssige Darstellung. Kleine Details wie Umlenkrollen, Kabel, Griffe, Tankdeckel sowie Rudergestänge sind jedoch vorhanden. Der Übergang vom Rumpf zum Ruder ist ein wenig realitätsfern gestaltet, zu kantig erscheint das Modell im Vergleich zum realen Flugzeug. Alles in allem, eine stimmige Modellierung, keine Fehler aber auch keine Extravaganzen.
Betrachtet man das Flugzeug aus der Nähe, fallen schon einige Dinge auf. Wie bei so vielen Addons, ist auch diese Supercub fabrikneu. Keine Ölspuren, keine Kratzer und nicht den Hauch einer Abnutzungserscheinung trüben das Bild einer sehr gut gepflegten Maschine. In der realen Welt werden solche Flieger auch gehegt und gepflegt, aber gerade bei weissen Flugzeugen zeigt sich doch mit den Jahren eine Patina an den Steuerflächen und am Rumpf.
Die für stoffbespannte Rümpfe so typischen Kanten über den Rumpfspanten wurden zwar im Modell, nicht aber in der Textur nachempfunden. Zu wenig, denn die Beleuchtungseffekte im FS9 reichen nicht aus. Die aufgemalten Zierstreifen sind pixelig, ebenso die ganze Tragfläche. Den Texturen fehlt die nötige Tiefe und Akzentuierung, um der doch relativ komplexen Piper Supercub die richtige Erscheinung zu geben. Das fehlen jeglicher Schattierungen sowie Gebrauchsspuren werten das Modell deutlich ab. Es wirkt flach und eher langweilig.
Dritter Akt: Piper Dance
Will man in einer Cub oder Supercub platz nehmen, stellt sich erst die Frage: Wie zum Henker komme ich überhaupt ins Flugzeug rein? Ich glaube, eine umständlichere Art in einen Flieger zu steigen gibt es nicht. Cubpiloten sprechen vom “Piper Dance”, einer genau abgestimmten Folge von Bein-, Hand- und Arschbewegungen um ohne auf ein mit “NO STEP” betiteltes Teil zu treten. Wir Stubenpiloten haben es einfach: Die S-Taste drücken und drinn sind wir.
Ein klassisches 2D-Panel ist vorhanden, aber da ich es nie brauche, drücke ich die S-Taste ein weiteres mal und ich bin im “richtigen” Cockpit drinn. Auch hier entlockt mir das Addon kein Staunen. Die Modellierung des virtuellen Cockpits ist ausgezeichnet, alles ist da: Hebel, Knöpfe, Griffe, Schalter und ein Feuerlöscher vor dem Knüppel. Die Sitzposition ist sehr stimmig, die Sicht über die Cowling so, wie es sein soll. Aber die Texturierung ist auch hier flach. Sehr wenige Schattierungen, keine Kratzer. Der Stuhl ist ein Texturmatsch, der Fussboden ebenso. Das Instrumentenbrett ist eine Mischung aus Fotoreal und Handgemalt und ist ebenfalls zum Teil pixelig. Die Instrumente sind ein Sammelsurium aus welchen mit tiefschwarzen Zifferblättern und solchen, deren Glas Spiegelungen andeuten. Die Kabinenwände sind mit einem blaugrauen Teppich ausgekleidet, der nicht den geringsten Hauch von Schattierung und/oder Abnutzung ausweist.
Hier will nun definitiv keine Stimmung aufkommen. Obwohl das virtuelle Cockpit der Aerosoft-Super Cub auch nicht grade “scharf” gezeichnet ist, fühle ich mich in dessen VC eher heimisch.
Es ist sehr schade, dass den Texturen des VC nicht mehr Beachtung geschenkt wurde, denn auch hier werden die Bitmaps der Modellierung nicht gerecht.
Vierter Akt: Wie die Vögel
Die Super Cub hat einen elektrischen Anlasser. Diese eher banale Feststellung erlaubt es mir, den Motor ohne Anwesenheit eines Gehilfen zu starten. Und wie er das tut, lässt sich leider nicht so gut beschreiben. Drei, vier Umdrehungen, dann zündet ein Zylinder, kurz darauf die anderen. Keuchend kommt der Motor in Gang, so richtig urig. Mir dumpfem Grollen und lauten Dängeln rumpelt der Vierzylinder im Standgas, nicht ganz rund, der benötigt mal wieder etwas Öl. Hut ab, der Sound hat Klasse!
Ich lasse die Maschine etwas warm werden und rolle langsam zum Start. Vorsichtig, denn Spornradflieger vertragen keine heftigen Steuerimpulse am Boden, sonst gibts Ringelpietz quer, und die Tragfläche ist futsch. Diese Supercub von S. Smeiman macht das genau so, und obendrein noch einen Kalabums übern Kopf, wenn kräftig gebremst wird.
Dann, Gas rein und ab die Post. Sie beschleunigt erst langsam, dann gehts schneller und nach 300 Metern hebt sie den Hintern, nach kurzem ziehen am Stick ist die Piper in der Luft. Ich lasse die Türe offen, das macht unheimlich Spass. Auf etwa 2000 Fuss gehe ich in den Horizontalflug, trimme aus und lasse sie mit 22 Zoll Hg und 2300 Umdrehungen fliegen. Verstellpropeller hat sie keinen, aber eine Manifoldpressure-Anzeige. Das ergibt gut 100 Meilen die Stunden Reisegeschwindigkeit. Wie die Echte liegt das Modell wie ein Brett in der Luft. Legt man sie Quer, bleibt sie lange in der Stellung, verlangt aber Fussarbeit für den koordinierten Kurvenflug. Das Modell ist etwas Träge im Quer- und Seitenruder, die Echte ist da etwas nervöser.
Nun will ich es wissen. Gas raus, nachtimmen, Nase immer schön oben lassen. Bei 50 Meilen/Stunde kippt sie unter Protest der Abreisswarnanlage über die linke Fläche ab, um dann sofort in einen für den FS typischen “Pseudo-Stall” überzugehen. Nicht gerade schön, aber das machen alle Addons ausser denen von RealAir.
So, nun muss das Ding wieder runter. Man lässt am Besten etwas Gas stehen, und fliegt flach an. Ist die Piste lang genug, reicht eine Stufe Landeklappen (sie hat drei Stufen). Kurz vor dem Aufsetzen lässt man sie aushungern, zieht den Stick langsam zu sich und lässt sie in einem perfekten Dreipunkter auf die Bahn plumpsen. Es braucht Übung, aber das ist ja auch in der wirklichen Welt so. Diese Supercub wird nahe der Abreissgeschwindigkeit im Höhenruder extrem nervös, also schön sachte, sonst wirds nicht.
Auch steile Anflüge gelingen gut: Gas weg, Klappen raus und runter. Rechtzeitig abfangen, den Bodeneffekt abschätzen und Aufsetzen.
Die Supercub wird beim setzten der Landeklappen zum Kopfnicker, in Real und in dieser Simulation. Wobei bei der Echten (soviel ich weiss) die Klappen stufenlos gesetzt werden können, diese hier aber nur drei Stufen kennt.
Einen Unterschied im Flugverhalten konnte ich zwischen den vier Varianten nicht feststellen, hier müssten jedoch deutliche Differenzen z.B. im Luftwiderstand und der erreichbaren Geschwindigkeit hervortreten.
Bei den Flugeigenschaften spielt diese Addon jedoch einen Trumpf aus. Ich kenne die normale J3 Cub ein wenig und erlaube mir zu behaupten, dass dieses Addon eine sehr gut umgesetzte Flugdynamik hat.
Schlussakt: Durchzogener Abgang
Nun, was ist von diesem Addon zu halten. Ein Urteil abzugeben ist nicht so einfach. Man könnte sagen, dass hier auf die Schnelle Geld gemacht wird, aber das stimmt so nicht, denn hinter dem “Billig-Konzept” steht die Absicht, auch wenig begüterte Flugsimulanten anzusprechen. Man könnte sagen, die Texturen erreichen nicht einmal Freewarenieveau. Das stimmt zwar, aber man bedenke folgendes: Diese Supercub ist das erste Payware Addon von Simon Smeiman. Jeder hat mal klein angefangen und ich sehe dieses Addon genau aus dieser Perspektive. Schaut euch die Aerosoftsche Beaver oder die Supercub an. Deren Painter, ein gewisser A. Tsvirenko, hat den Dingern auch nicht unbedingt erstklassige Texturen verpasst, hat aber daraus gelernt und nun gehet hin und sehet seine neueren Werke, z.B. die Saab Safir oder die Twotter für den FSX. Da sind Welten dazwischen!
Simon Smeiman hat viel Potential. Er hat das Auge für die wichtigen Dinge in und an einem Kleinflugzeug, muss aber noch viel Üben, damit er auch saubere Texturen hinkriegt. Ausserdem ist S. Smeiman ein Neuling in der Szene, und neue Leute braucht die Szene ebenso wie neue Ideen. Auch wenn diese Supercub die verwöhnten Flugsimulanten nicht auf den ersten Anhieb anspricht, so sehe ich in diesem Addon einen Anfang einer Serie Kleinflugzeuge, die sich durchaus zur Zufriedenheit der vielen Buschflieger und Backcountry-Piloten entwickeln kann.
Klasse statt Masse. In diesem Sinne erwarte ich nun nicht in zwei Monaten das nächste Addon von Smeiman, aber ich hoffe, dass er seinem nächsten Flugzeug bessere Texturen verpasst.
Denn eines muss ich hier wiederhohlen: Das Modell ist gut, Detailreich und die Flugdynamik hervorragend. Seht euch die Details der Skier an, hier wurde exzellent modelliert.
Wer 11 Dollar und 11 Cent übrig hat, wer ein Faible für Kleinflugzeuge hat und wer bereit ist, einem Neuen der Szene Unterstützung zu gewähren, kann sich die Piper Supercub gerne kaufen. Ein “must-have” ist sie jedoch nicht, dazu fehlt ihr (noch) den nötigen Feinschliff.
Urs Burkhardt
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PRO
- Flugdynamik
- Modellierung
- Sound
- Vier Varianten (Float, Ski, Wheel, Tundrawheel)
CONTRA
- Fade und z.T. pixelige Aussenexturen
- schlecht texturiertes VC
- Rucklige Instrumente im VC
BEZUGSQUELLE
Direkt bei FSAddon unter: http://fsaddon.eu/wpfsaddon/?page_id=11
- Preis: USD 11.11
- Bezahlung: Per Kreditkarte unter Verwendung des Fligh1 Bezahlprogrammes
- Onlineaktivierung: keine
- Lizenz: 1 Benutzer, 1 PC




























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