A2A ist drauf und dran, für den FSX eine Piper Cub zu machen. Keine Supercub, nein, eine gewöhnliche Cub, mit 65 PS Motörchen und null Avionik. Dafür mit ihrem Tool Namens Accu-Sim ausgestattet, dürfte sie einen neuen Standard für Kleinflugzeuge im FS setzen.
Werfen wir aber erst mal einen Blick zurück in die Vergangenheit. Cubs und Supercubs gab es viele. Mal Payware, mal Freeware. Alle mehr oder weniger gut, mit Macken und tollen und weniger tollen VC’s.
Aber eine ging vergessen, sie wurde oft nur einmal geflogen, dann in die verstaubteste Ecke des virtuellen Hangars gestellt und blieb dort bis der FS9 dem FSX platz machte. Oder anderen ach so dollen Payware-Fliegern im FS2004.
Die FS2004-Standard Piper J3 Cub

Jedoch steckt in dem vergessenen Fliegerchen mehr drin, als manch einer denkt …
Es war an einem Oktobertag im Jahre 2003, der FS2004 war gerade installiert und etliche neue Flugzeuge wurden aus dem Hangar geschoben. Eine DC3, eine Lockheed Vega, die Jenny, die Comet, und eben die Cub. Alle einmal geflogen, dann wech damit und durch Addons ersetzt.
Um einiges später dann hat sich ein gewisser Alexander Metzger der Flugdynamik dieser Cub angenommen und ihr Anstand und Würde verpasst. Die Dateien sind auf seiner Homepage heute noch zu haben.
Aber vorher schon, im Februar 2004 hat ein Yannis Gakis unter dem Namen „The Kittens“ vier Repaints veröffentlicht, die dem Flieger auch noch ein gutes Aussehen verpassten. Die Datei kittens.zip gibts immer noch auf flightsim.com

In Gelb, Weiss, Blau und Creme, nicht mehr so ganz taufrisch stehen sie auf dem Vorfeld. Mit mehr oder weniger Dreck und abgeblättertem Lack und deutlichen Abnutzungsspuren geben sie der Standard-Cub die unvergleichliche Patina, welche der passionierte Stubenbuschflieger so sehr mag.
Der Nachteil einer Microsoftschen Maschine liegt unter anderem auch darin, dass die Registriernummer als schwarze Schrift auf den Rumpf projiziert wird. Das bekommt der Cub aber nicht unbedingt schlecht, ist diese Nummer doch eher dezent auf das Ruder beschränkt.

Die Repaints sind gelungen. Eine wahre Freude, mit solchen Kisten unterwegs zu sein.
Für das Jahr 2003 und für ein Standardflugzeug hat die Cub ein ganz passables VC, das unbedingt zusammen mit einem TrackIR zu benutzen ist. Nur so stellt sich am heimischen PC das unvergleichliche Cub-Feeling ein, das viele Flugsimulanten auch von der realen Cub her kennen. Auch der Schreibende durfte einige male auf dem bespannten Campingstuhl platz nehemen und eine gemächliche Tour mitfliegen.
Das die Texturen nach Microsoftscher Manier eher pixelig daherkommen, tut hier keinen Abbruch. So wirkt das Instrumentenbrett verbeult und verdreckt, was ganz zum Äusseren passt.


Auch die besagten Camingstühle sind hier anständig modelliert und texturiert. Dieses Cockpit hat Charme, und gerade wegen den fehlenden Instrumenten steht eindeutig das Fliegen im Vordergrund. Nicht mal ein Variometer hat die originale Piper Cub. Da muss noch „mit dem Arsch“ geflogen werden. Was im FS zugegebenermassen etwas schwierig ist. Aber mehr als ein ASI, ein Höhenmesser und ein Schnapskompass brauchts eh nicht, um mit einer Cub im gemütlichen Tiefflug durch die Täler Westkanadas zu „donnern“.
Sitzen tut der Pilot übrigens hinten, wenn er solo fliegt, da der Tank hinter dem Motor liegt und somit die Balance gewahrt wird. Spätere Modelle hatten Tragflächentanks, dann durfte der Chef vorne Platz nehmen. Die Sitzhaltung kann man übrigens mit einem Schweizer Messer vergleichen: Der Hintern eher weit unten, die Beine etwas angezogen. Für mehrere Stunden Flug dann doch etwas unbequem.
Im FS ist die Sicht nach draussen jedoch gut getroffen.
Am besten fleigt man mit offener Tür, wie in der richtigen Welt. Aber achtet nicht auf das Rad, denn das ist nicht ganz so rund wie es eigentlich sein soll. Na ja, damals war „Polygon-sparen“ angesagt, ihr wisst schon, der fehlenden Rechnerkapazität wegen.
Hier nochmals der Hinweis auf TrackIR, das für so ein Flugzeug einfach unabdingbar ist.
Die Bearbeitung der Flugdynamiken durch A. Metzger hat sich bei der Cub gelohnt, absolut! Die Kiste macht genau das, was die reale Cub auch tut: Gemächlich fliegen. Nicht zu agil, aber auch nicht zu schwammig. Mehr als 100 Meilen die Stunde liegt nicht drinn, und ab 4000 Fuss geht dem „Motörli“ langsam die Puste aus.

Genau so wie das Original, bedarf es ständiger Knüppel- und Fussarbeit, um die Cub auf Kurs zu halten. Das geht aber sehr Einfach, die Tankanzeige (ein Draht mit Korkzapfen unten dran) weist einem schön den Weg.
Wenn im leichten Sinkflug Speed aufgebaut wird, lassen sich sogar Loopings fliegen. Der Strömungsabriss ist unspektakulär und kann mit leichtem Druck am Stick nach vorne ausgeleitet werden. Die Landung geht sauber von der Hand, einfach mit 50 Meilen die Stunde anfliegen und aushungern lassen, dann setzt sie sich auf ihre drei Räder.
Tja, nach ein paar Stunden Flug mit der Cub kommen Erinnerungen. Da gab es doch noch eine. Genau, die Cub von Bill Lyons. Auch für diese hat A. Metzger angepasste Dateien bereitgestellt. Damit ist die Cub von Lyons fliegerisch mit der vom FS vergleichbar. Bill Lyons hatte damals ein paar ganz eigenwillige Sachen parat. So hat diese Cub spiegelnde Gläser an den Instrumenten und auf Tastendruck sitzt plötzlich (weibliche) Begleitung hinten drin.
Zu fliegen ist sie genau so einfach vie die angepasste Cub von Microsoft. Mir kommt sie jedoch etwas träger und langsamer vor.


Welche Cub nun bevorzugt wird, ist Geschmaksache. Zu erwähnen ist, dass sich Flieger von Bill Lyons schlecht repainten lassen, zuviele Texturen werden mehrfach an verschiedenen Stellen des Modells verwendet. Und viele Bitmaps sind 128×128 Pixel gross. Bläst man diese auf 1024×1024 auf, zwecks Detailreichtum, wird die Belastung der Grafikkarte selbst für modernere Rechner zu gross. Aber trotzdem, Mr. Lyons (später dann auch noch seine Frau Lynn) schaffte es immer wieder, mit spärlicher Texturierung viel Charme in seine Addons zu zaubern.
Und wenn wir schon von der Cub reden, dann wäre auch noch ihre Schwester aus selbiger Ära zu nennen: Die Aeronca Champ. Ich erwähne sie deshalb, weil die Champ vom Prinzip her ein ähnliches Flugzeug ist. Sie hat einen ehrer schwachen Motor, keine Lichter und eine ebenso spärliche Instrumentierung. Wie die Cub ist die Champ ein Backcountryflugzeug für Geniesser, die nach dem Motto „low and slow“ fliegen und sich einen Deut um IFR, Autopilot und Navigationshilfen scheren. 
Die Aeronca Champ gibt es nämlich als erstklassiges Freeware-Addon von Long Island Classics in mehreren Aromen: Die zivile 7AC und 7BCM sowie das berühmte Flugzeug mit der Dicokugel, die L-16. Zu finden auf flightsim.com.

Die Champs sind schwerer als die Cub, haben aber einen stärkeren Motor. Das macht sie jedoch nicht schneller, aber sie kommen früher vom Boden weg. Im handling sind sie eher träge, aber genauso gutmütig wie die Cub. Da die Champ grösser ist als eine Cub, hat der Pilot (und Passagier) mehr Platz im Cockpit und es lässt sich mehr Gepäck mitschleppen.
Aber das spielt ja für uns Stubenpiloten keinen Tango.
Oder doch?
Wer’s realistisch mag, geht mit der Champ auf eine grössere Reise, ist bequemer. Ich erinnere mich, vor einigen Jahren auf dem Flugplatz in meiner Heimat: Drei Cubs kamen herein, danach kletterten sechs total verschwitzte und verkrampfte „Abenteurer“ aus besagten Cubs, streckten und reckten sich und tranken erst mal reichlich Wasser. Mir wurde gesagt, die kämen gerade von Prag, 600 Kilometer non-stop …
… die waren total fertig.
In diesem Sinne, wünsche ich allen Sofapiloten einen geruhsamen Flug in den Sonnenuntergang.
Urs Burkhardt




Wie immer ein versierter, fachlich fundierter und an Informationen reichhaltiger Rückblick!
Erinnert auch mich an tolle, aber vernachlässigte, Flugzeuge im FS2004.
Tja, und der zu erwartenden Neuerscheinung schauen wir dann mal mit Vorfreude entgegen.
Dieter
Exzellent!
Schön, dass es diese Flieger gibt. Es macht Spaß deine Berichte zu lesen und in Erinnerungen zu schwelgen, dann, wenn die Sonne untergeht die Cub aus dem Hangar holen und eine kleine Runde drehen
Michael
[...] Blog. Und als Bonus: Ein schöner Rückblick auf die FS2004 Versionen der Piper J3 Cub con Co-Blogger Maloney. Kostenlosen RSS [...]